Situation in Afghanistan

Ulli

Im Angesicht des schwerwiegenden Krieges in Syrien und vieler weiterer kleiner und großer Krisenherde auf der gesamten Welt trat die Situation in Afghanistan zuletzt zunehmend in den Hintergrund. Doch wie ist die aktuelle Lage in dem krisengebeutelten Land? Seit 2004 wird die Islamische Republik von einem präsidialen System regiert, der seit 2014 amtierende Präsident ist Aschraf Ghani. Obwohl die letzten Wahlen als verhältnismäßig unproblematisch bewertet wurden, fehlt es der Regierung in vielen Teilen des Landes an Macht. Sie ist daher nicht imstande, sich gegen die IS und die Taliban, die unabhängig voneinander Teile des Landes beanspruchen, zu behaupten. Die IS zählt dabei zu den jüngeren Akteuren im Land, da sie die Grenze erst 2015 überschritt. Sie bekämpft nicht nur Regierungstruppen und Sicherheitskräfte, sondern in erster Linie die Taliban. Besonders in Ostafghanistan gibt es erhebliche Grabenkämpfe zwischen den beiden rivalisierenden Gruppen, wobei sich die Taliban bislang als deutlich überlegene Kraft erwiesen. Zurzeit stagnieren beide Parteien in den felsigen Gebieten der Provinz Nangarhar. Die Taliban bekämpfen in erster Linie Truppen der Regierung sowie ausländische Militäreinheiten. Dabei erhalten sie teilweise erheblichen Rückhalt in der Bevölkerung. Dies liegt vor allem daran, dass sie, entgegen des häufig im Westen vorherrschenden Eindrucks, in vielen Regionen für eine gewisse Sicherheit und Stabilität sorgen. Zudem bekämpfen sie die weit verbreitete Korruption. Nicht zuletzt sind große Teile der Bevölkerung vor allem von ausländischen Bemühungen enttäuscht, da diese nicht selten mit erheblichen Menschenrechtsverletzungen wie Bombardierung von Zivilisten und Folter einhergingen. Insgesamt wurden seit 2009 mindestens 26.000 Zivilisten getötet. Internationale Truppen werden durch die Mission ISAF gestellt. Zurzeit befinden sich 12.000 vorwiegend US-amerikanische Soldaten im Land, die Bundeswehr hat 1000 Soldaten vor Ort. Diese dienen, neben der Sicherung von Konfliktgebieten, auch als Ausbilder für afghanische Soldaten, Polizisten und Sicherheitskräfte. Aufgrund der zunehmenden Konflikte im Landesinneren, aber auch in mehreren Grenzprovinzen, die von unterschiedlichen Seiten mittlerweile als Krieg bezeichnet werden, hat sich das Flüchtlingsaufkommen deutlich erhöht. So sind zurzeit mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge innerhalb des Landes unterwegs. Weitere flüchten in angrenzende Länder oder bis nach Europa. Die Situation wird je nach Land sehr unterschiedlich beurteilt. Obwohl die Konflikte im Land von Friedensforschern zu den aktivsten der Welt gezählt werden, besteht kein genereller Abschiebungsstopp. Viele Länder und im Falle Deutschlands einige Bundesländer setzen die Abschiebung jedoch aus oder beschränken sich auf Straftäter. Trotzdem hat Deutschland erst im September 2017 erneut Flüchtlinge nach Afghanistan unter der Behauptung abgeschoben, dass einzelne Regionen als ausreichend sicher zu betrachten seien. Vom jetzigen Standpunkt aus ist die nahe Zukunft des Landes als schwierig und wenig positiv zu betrachten. Im Index der menschlichen Entwicklung liegt Afghanistan auf Platz 169 von 188. Sowohl die Lage der Menschenrechte im Allgemeinen als auch der Frauen im Besonderen ist ungewöhnlich schlecht. Gewalt in jeder Form, darunter Folter, illegale Verhaftungen, häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sowie Zwangsheiraten auch von Minderjährigen sind an der Tagesordnung. Zudem sind fast 80% der Frauen und viele Männer Analphabeten. In Anbetracht der schweren kriegerischen Auseinandersetzungen ist nicht davon auszugehen, dass sich diese Situation kurzfristig deutlich verändern lässt.

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