Internationaler Afghanistan-Kongress ruft zu Aktionen und Demonstration im Herbst und im nächsten Frühjahr auf

Mit einem Aufruf zu Demonstrationen, Mahnwachen, Informationsveranstaltungen und Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten, ist am Sonntag der Internationale Afghanistan-Kongresses der deutschen Friedensbewegung in Hannover zu Ende gegangen. Die Teilnehmer riefen für den 20. September zu einer bundesweiten Demonstration nach Berlin und Stuttgart auf. Zugleich zeichnete sich die Perspektive einer verstärkten Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Kirchen ab.

Mehr als 400 Teilnehmer hatten zuvor einer Vielzahl von Vorträgen deutscher und internationaler Referenten gelauscht und in zahlreichen Foren über die unterschiedlichsten Aspekte des Afghanistan-Konfliktes und Möglichkeiten friedlicher Lösungen diskutiert.

Die Gäste aus Afghanistan hatten in ihren Beiträgen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine weitere Stationierung ausländischer Truppen nicht im Interesse des afghanischen Volkes ist. Die Vertreter der deutschen Friedensbewegung stellten daher in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, wie Bundesregierung und Parlament dazu gebracht werden können, der deutlichen Ablehnung des Afghanistaneinsatzes durch die Bevölkerung zu entsprechen und der Verlängerung der Bundeswehrmandate nicht zuzustimmen.

Organisationen der Friedensbewegung aus 12 Ländern nahmen den Kongress in Hannover zum Anlass, ein internationales Netzwerk für Frieden in Afghanistan zu gründen. Ihre gemeinsame Hauptforderung ist der Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan als Voraussetzung für eine friedliche Lösung.

Am Rande des Afghanistan-Kongresses diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und der internationalen Friedensbewegung gemeinsame Gegenaktivitäten zum 60. Jahrestag der NATO. Dieser Jahrestag wird im Mai 2009 in Straßburg und Kehl gefeiert. Eine Internationale Konferenz im Oktober 2008 in Frankreich oder Deutschland soll detaillierte Vorschläge für gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen in der Größe der G-8-Proteste erarbeiten. Dazu wurde eine Vorbereitungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Frankreich, Deutschland. Großbritannien,Griechenland und des Internationalen Friedensbüros (IPB) gebildet.

Der Kongress wurde getragen von: Afghanisches Kultur- und Kommunikationszentrum Berlin, Antimilitaristischer Arbeitskreis Hannover, Attac Deutschland, Bundesausschuss Friedensratschlag, DFG-VK, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband Niedersachsen, Kooperation für den Frieden, IALANA, Friedensbüro Hannover, Friedens- und Zukunftswerkstatt, IG Metall Verbindungsbüro Soziale Bewegungen.

Als Referenten traten in Hannover Vertreterinnen und Vertreter aus der afghanischen Zivilgesellschaft, der Friedensbewegung unter anderem aus Frankreich, Schweden, den USA und Deutschland sowie Wissenschaftler, Politiker und Gewerkschafter auf. Die Themen der Vorträge und Arbeitsgruppen reichen von den unterschiedlichen Aspekten der Lage in Afghanistan - der Situation der Frauen, der Rolle des Islam, der sozialen Lage und der Drogenwirtschaft - über die internationalen und historischen Dimensionen des Afghanistankonfliktes bis hin zu Alternativlösungen und Anforderungen an eine Außenpolitik des Friedens.

 

Internationaler Afghanistan-Kongress c./o. * IALANA * Glinkastrasse 5-7 * 10117 Berlin

 

 

 

 

Dem Frieden eine Chance -

Truppen raus aus Afghanistan!

 

Internationaler Afghanistan-Kongress,

7./8. Juni 2008, Hannover

 

Die Bundesrepublik Deutschland versinkt immer tiefer im Sumpf des grausamen Afghanistan-Krieges. Im Sommer d.J. wird erstmals eine Schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr die dort bereits stationierten ISAF-Verbände verstärken. Und in Berlin pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass bei der Verlängerung des Einsatzmandats im Herbst eine massive Truppenaufstockung vorgenommen werden soll.

 

Der Krieg in Afghanistan, den die USA und ihre Verbündeten vor fast sieben Jahren begonnen haben, verstößt gegen das Völkerrecht und tritt alle Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen. In den meisten Regionen des Landes herrschen heute Warlords und Drogenbarone; Gewalt, Terror und Drogenhandel prägen den Alltag. Die Bevölkerung lebt in ständiger Angst und unter unwürdigen sozialen Bedingungen. Die ausländischen Truppen werden keineswegs als Befreier, sondern zunehmend als feindliche Besatzer gesehen, gegen die jeder Widerstand gerechtfertigt erscheint.

 

Was Afghanistan braucht, ist Frieden als Voraussetzung für eine souveräne Demokratie. Der zivile Wiederaufbau und eine soziale Entwicklung können überhaupt erst gelingen, wenn der Krieg beendet und die fremden Truppen abgezogen sind. und die somit freiwerdenden Mittel für humanitäre Arbeit zur Verbesserung der Lebensbedingungen genutzt werden. Karitative und humanitäre Hilfsorganisationen bestätigen immer wieder, dass Hilfe am besten dort geleistet werden kann, wo kein Militär vorhanden ist. Es ist ein Skandal, dass für den Krieg ein Vielfaches an Geld ausgegeben wird wie für den zivilen Wiederaufbau!

 

Die Beendigung des Bundeswehreinsatzes ist noch keine Garantie, eröffnet aber eine Chance für eine friedlichere Entwicklung in Afghanistan. Andere Kriegsparteien würden damit unter Druck geraten, ihre Truppen ebenfalls abzuziehen.

 

Wir laden ein zu einem Internationalen Afghanistan-Kongress am 7./8. Juni 2008 in Hannover. Der Kongress steht unter dem Motto: "Dem Frieden eine Chance -- Truppen raus aus Afghanistan!" Mit Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland, mit Betroffenen aus Afghanistan, mit Kriegsverweigerern und Friedensaktivisten aus Europa und Übersee wollen wir den Unwahrheiten und Verdrehungen der herrschenden Politik von Washington bis Berlin entgegen treten und dem weltweiten Widerstand gegen den Krieg eine Stimme verleihen.